91971 – 2021 · EINE CHRONIKFall Otto John als Vorsitzender und Berichterstatter vor. Anlässlich der erneuten Kanzlerkandidatur Adenauers 1961 hatte Bucerius eine Zeitungsumfrage nach dem „richtigen“ Kanzlerkandidaten initiiert. Die Aktion war recht unüblich, da Bucerius sich nach einem Jahrzehnt treuer Anhängerschaft von Adenauer abwandte und für Erhard publizistisch und öffentlich warb. Sicher wird Bucerius die Entscheidung nicht leichtgefallen sein, 1962 die politische Bühne der Hamburger Landes-CDU und die Bundestagsfraktion nach einem polarisierenden Stern-Artikel endgültig zu verlassen. Er wollte vor seinen Kritikern in der Fraktion nicht zu Kreuze kriechen. Der politische Abschied kam zur richtigen Zeit, um auf dem deutschen Pressemarkt entscheidend mitzuspielen. Treibende Kraft der Fusion zu Gruner + Jahr im Jahr 1965, als zweitgrößtem Verlag nach Axel Springer, war Gerd Bucerius. Der Tausch seiner Unternehmensanteile von G + J zu Bertelsmann im Jahr 1973 ist heute be-trachtet die finanziell beste unternehmerische Entscheidung gewesen. Damals war der Aufstieg des Buch- und Schallplattenunternehmens aus Gütersloh zu einem weltweiten Medienkonzern nicht absehbar. Auf Dividendenausschüttungen muss-te Bucerius zehn Jahre warten, um dann allerdings mit diesen Summen die da-mals hohen Förderungen zum Aufbau der Universität Witten/Herdecke zu leis-ten. Bucerius brauchte und hatte einen langen Atem bei diesem Anteilstausch mit Bertelsmann, seiner wichtigsten unternehmerischen Entscheidung in den siebziger Jahren nach dem Erwerb der Mehrheitsanteile am Stern im Jahr 1951. Diese führte zum Erfolg, aber das traf nicht auf jede Kaufentscheidung zu, er erlitt auch Nieder-lagen und trennte sich wieder von Titeln aus seinem Verleger-Portefeuille. Gerd Bucerius, Richard Gruner und John Jahr sen. fusionieren am 1. Juli 1965 zum Verlag Gruner + Jahr. Der 1962 verstorbene Robert Pferdmenges links im Bildaufsteller.
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