3EinleitungWorum geht es?Wie steht es um die Freiheit der Lehre und Forschung in Deutschland? Der vorliegende Kurzreport gibt einen ersten Überblick über die Ergebnisse einer aktuellen Studie zu diesem viel diskutierten Thema. Es handelt sich um die erste repräsentative Studie zum Stand der akademischen Redefreiheit an deutschen Hochschulen. Befragt wurden Hochschulbeschäftigte der Statusgruppen Doktorand:innen, Postdoktorand:innen und Professor:innen. Die Studie fragt ab, welche Erfahrungen die Befragten mit Ein-schränkungen ihrer Freiheit in Forschung und Lehre oder der Freiheit anderer in ihrem akademischen Umfeld gemacht haben bzw. ob sie solche Einschränkungen erwarten, wenn sie selbst oder andere ihre wissenschaftliche Arbeit nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Studie erfragt außerdem, welche Grenzen Wissenschaftler:innen selbst ziehen und welchen Umgang mit Streitfällen und kontroversen Themen sie für an-gemessen halten.Hintergrund: Die emotionale Debatte um Wissenschaftsfreiheit in DeutschlandIn den vergangenen Jahren ist der öffentliche Diskurs um Wissenschaftsfreiheit stark von einzelnen öffentlichkeitswirksamen Streitfällen sowie von Impulsen aus dem US-amerikanischen Kontext bestimmt gewesen. Dies schließt die Debatte um eine sogenannte „Cancel Culture“ ein. Sie geht von – sich möglicherweise häufenden oder systematisch stattfindenden – Einschränkungen oder Ausschlüssen bestimmter, als politisch oder moralisch problematisch empfundener Positionen aus dem wissen-schaftlichen Diskurs aus. Seit einiger Zeit wird die Cancel-Culture-Debatte in Gesell-schaft und Wissenschaft – und in besonderer Weise auch in den Medien – teils sehr emotional und politisch aufgeladen geführt. Ein wichtiges Ziel der vorliegenden Befragung ist, über den Status anekdotischer Evidenz, d.h. die Diskussion einzelner Fälle, hinaus zu gelangen. Stattdessen ermittelt sie empirisch fundiert, ob und wenn ja, in welchen Bereichen Wissenschaftler:innen an deutschen Hochschulen mit Promotionsberechtigung in ihrer Forschung und Lehre von Einschränkungen betroffen sind. Die Erkenntnisse der Studie zum kommunikativen Umgang mit kontroversen Themen sollen innerhalb und außerhalb der Wissenschaft als Orientierungshilfe dienen und – gegen die Tendenz einer zunehmenden Polarisie-rung – zu einer Versachlichung beitragen. Die Ergebnisse dieser Studie sollen die andauernden Auseinandersetzungen um Wissen-schaftsfreiheit bereichern. Wissenschaft basiert auf Pluralität von Perspektiven und Methoden – und ist in diesen Hinsichten selbstreflexiv. Wissenschaft befragt sich selbst, so auch hinsichtlich der Frage, wie wissenschaftliches Wissen beschaffen ist.
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