6Methoden Die Wissenschaftsfreiheit läuft dann Gefahr, eingeschränkt zu werden, wenn die freie Gestaltung von Lehre und Forschung durch moralische Ab-wertung der Arbeit oder durch mögliche berufliche Probleme bedroht ist. Wenn bestimmte Themen oder Texte in Lehrveranstaltungen (nicht mehr) eingesetzt werden, weil sonst negative Folgen befürchtet werden oder aus Furcht vor negativen Folgen bestimmte Forschungsmethoden oder -themen nicht behandelt werden. Unstrittig ist, dass Wissenschaftler:innen in Deutschland diffamiert, bedroht und eingeschüchtert werden – wobei nicht alle Fälle zu öffentlichkeitswirksamen Aufhängern für Debatten über Wissenschaftsfreiheit avancieren. Bisher ist aber offen, in welchem Ausmaß diese Einschränkungen vorkommen und ob sie ein strukturelles Problem an deutschen Hochschulen darstellen.Datenerhebung, Stichprobe und GewichtungUm dieser Frage empirisch nachzugehen, wurde eine Zufallsstichprobe von Wissenschaftler:innen gezogen, die hauptberuflich an promotions-berechtigten Hochschulen beschäftigt sind. Dafür wurden Kontaktdaten aller Statusgruppen und Fachbereiche auf den Webseiten von insgesamt 158 Hochschulen recherchiert. Die Grundgesamtheit beläuft sich auf 161.935 Personen, von denen 54.690 in die bereinigte Brutto-Stichprobe ge-langten und in der Feldphase zwischen dem 14. Juni und dem 27. Juli 2024 kontaktiert wurden. Letztendlich konnten 9.083 Fälle gewonnen werden, die die Befragung vollständig beantwortet haben. Diese Fälle stellen die Grundlage für alle Auswertungen und Analysen dar (Netto-Stichprobe). Bezogen auf die kontaktierten und zur Grundgesamtheit gezählten Fälle beträgt die Rücklaufquote knapp 17 Prozent.Um mögliche Verzerrungen in der Stichprobe zu berücksichtigen, wurden neben der Verteilung der Statusgruppen auch die Fächerverteilungen in der Stichprobe und in der Grundgesamtheit verglichen. Die Verteilung der Netto-Stichprobe auf Fach, Geschlecht und Position ist in Tabelle 1 dargestellt. Alle Analysen in diesem Kurzreport sind gewichtet, um Abweichungen zwi-schen Stichprobe und Population zu korrigieren und damit einhergehende Verzerrungen in den Befunden zu minimieren.
< Page 5 | Page 7 >