9Einschätzung von Autonomie und Freiheit nach StatusgruppenDer vergleichende Blick auf die Statusgruppen zeigt, dass Profes-sor:innen das Wissenschaftssystem in einem besseren Zustand sehen als die Gruppe der Doktorand:innen und Postdoktorand:in-nen (im Folgenden einheitlich als „wissenschaftliche Mitarbeiter:in-nen“ bezeichnet). Während Professor:innen mit gut 86 Prozent weitestgehend zu einem (eher) positiven Urteil gelangen, liegen die zustimmenden Anteile bei wissenschaftlichen Mitarbeiter:in-nen mit knapp 77 Prozent etwas darunter. Das liegt weniger an den sehr negativen Einschätzungen, die für alle Statusgruppen jeweils zwischen 2 und 3 Prozent ausmachen, sondern an einer „eher schlecht[en]“ Bewertung des Wissenschaftssystems, die etwa jede:r fünfte wissenschaftliche Mitarbeiter:in vornimmt. Ein Drittel der Professor:innen bescheinigt dem Wissenschaftssystem einen sehr guten Zustand, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen sind hier mit 16 bzw. 14 Prozent deutlich zurückhaltender.Einschätzung von Autonomie und Freiheit nach FächergruppenFür die Befragung wurden die Fachgebiete der Wissenschaftler:in-nen erhoben. Die Kategorien orientieren sich an der DFG-Fach-systematik und unterscheiden beispielsweise die Geisteswissen-schaften von den Sozial- und Verhaltenswissenschaften. Obwohl sie in der öffentlichen Diskussion nicht selten als Zentrum einer sogenannten „Cancel Culture“ identifiziert werden, kommen überdurchschnittlich kritische Urteile nicht aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, sondern aus der Medizin (ohne Kliniken) und dem Wissenschaftsbereich Agrar- und Forstwissenschaften und Veterinärmedizin. Hier kommen knapp drei von zehn Befrag-ten zu einer (eher) schlechten Bewertung des Wissenschafts-systems mit Blick auf Forschungsfreiheit und Autonomie. Sie ver - geben auch seltener als ihre Kolleg:innen anderer Wissenschafts-bereiche das Urteil „sehr gut“.Einschätzung von Autonomie und Freiheit nach GeschlechtMänner bewerten den Zustand des Wissenschaftssystems häu-figer mit „sehr gut“ als Personen in der Kategorie Frauen1 das tun (21 vs. 13 Prozent). Letztgenannte entscheiden sich etwas häufiger als ihre Kollegen für die Kategorie „eher gut“. In der Addition bei-der Kategorien „sehr gut“ und „eher gut“ reduziert sich die Diffe-renz zwischen den Geschlechtern dann auf drei Prozentpunkte. Die Unterschiede lassen sich zum Teil durch die Verteilung in den Statusgruppen erklären (Frauen bekleiden bekanntlich wesent-lich seltener eine Professur als Männer). Doch auch unter Berück-sichtigung der Beschäftigungsposition und des Fachgebietes bewerten Frauen den Zustand der Wissenschaft etwas kritischer. 1 Der Anteil Befragter mit der Angabe divers liegt insgesamt bei 1 Prozent und wird in diesem Report zusammen mit der Kategorie Frauen analysiert.Abbildung 1: Einschätzung des Zustandes des deutschen Wissenschaftssystems hinsichtlich Autonomie und Freiheit in Forschung und Lehre. Gewichtete Prozentanteile.806040200Prozent sehr eher eher gut sehr gutschlecht schlecht Einschätzung von Autonomie und Freiheit im deutschen Wissenschaftssystem 3 19 61 18
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